Das Projekt

Eine Plattform.
Viele Rettungsmittel.

Basis von FrankenResQ ist eine X8-Multicopter-Plattform mit 20 bis 25 kg Abfluggewicht. Wir rüsten sie mit Flugsteuerung, Sensorik, Sicherheitstechnik und einer modularen Nutzlastschnittstelle aus. So soll sie Rettungs- und Einsatzmittel schnell, sicher und möglichst automatisiert zum Einsatzort transportieren. Hier steht, wie die Drohne aufgebaut ist und wie wir bei der Entwicklung vorgehen.

01 · Ziel

Transport statt Behandlung

Am Anfang stand die Idee, ein medizinisches Notfallsystem per Drohne schnell zu einem Einsatzort zu bringen. Daraus ist mehr geworden: FrankenResQ ist keine Drohne für ein einzelnes Gerät, sondern eine modulare Transport- und Bereitstellungsplattform.

Die Drohne selbst behandelt niemanden. Sie übernimmt den Transport und die sichere Übergabe dessen, was vor Ort gebraucht wird: ein Notfallsystem, eine Rettungsleine bei Eis- oder Wasserunfällen, Beleuchtung oder Kommunikationsmittel.

Unser Team konzentriert sich deshalb ganz auf die Flugplattform, ihren sicheren Betrieb und die modulare Nutzlastschnittstelle.

Prioritäten

  • Priorität 1: Konstruktion, vollständige technische Integration, sicherer Flugbetrieb, Nachweis der Machbarkeit, genehmigungsfähiges Betriebskonzept.
  • Priorität 2: automatisiertes Docking, geschützter Cage, Lade- und Logistikfunktionen, automatisierte Nutzlastbereitstellung.
02 · Systemaufbau

Drei getrennte Ebenen

Das Gesamtsystem ist in drei Ebenen aufgeteilt, die unabhängig voneinander entwickelt und getestet werden können. Die Logistik-Infrastruktur folgt bewusst erst, wenn die Drohne zuverlässig fliegt.

Ebene A

Flugplattform

  • X8-Multicopter, Motoren, ESCs, Propeller
  • Akkus und Energieverteilung
  • Cube Orange+ mit ArduPilot
  • Jetson Nano, GPS, Sensorik
  • Kommunikation
  • Sicherheits- und Fallschirmsystem
Ebene B

Nutzlast-Schnittstelle

  • Mechanische Aufnahme
  • Servo-Verriegelung
  • Zustandsüberwachung
  • Kontrollierte Freigabe
  • Standardisierte Schnittstelle
Ebene C · später

Logistik

  • Cage / Garage
  • Dockingstation
  • Ladefunktion
  • Paternoster-Magazin
  • Automatisierter Nutzlastwechsel
03 · Flugplattform

X8-Koaxial für schwere Lasten

Vier Arme tragen jeweils zwei übereinanderliegende Motoren. Gegenüber einem einfachen Quadrocopter bringt diese Anordnung eine Antriebsreserve. Das ist bei einer Schwerlastplattform ein wichtiger Sicherheitsgewinn.

KomponenteAusführung
BauformX8-Coaxial-Multicopter
RahmenGryphon Dynamics Superframe
Motoren8 × T-Motor U11 KV120
Motorregler8 × ESC, einer pro Motor
Propeller8 × 27 × 8,8″ Carbon
Spannweiteca. 1,40 m Motor zu Motor
Abfluggewicht (Ziel)20–25 kg, Obergrenze 25 kg
Flugzeit (Ziel)ca. 30 Minuten

Stand: Das CAD-Modell der Drohne in Fusion 360 ist nahezu fertig. Die elektrische Integration folgt dem aktuellen KiCad-Schaltplan. Alle Gewichts- und Leistungsangaben sind Planungswerte und werden nach dem Aufbau gemessen.

04 · Energieversorgung

12S Hochvolt, doppelt ausgelegt

Vier 6S-LiPo-Akkus werden zu zwei 12S-Strängen in Serie geschaltet. Die beiden Stränge laufen parallel und versorgen gemeinsam den Antrieb.

GrößeWert
Akkus4 × Tattu Plus 16.000 mAh, 6S, 15C
Verschaltung12S2P: je 2 Akkus in Serie, 2 Stränge parallel
Nennspannung44,4 V
Kapazität32 Ah
Nennenergieca. 1,42 kWh (4 × 355,2 Wh)
SpannungswandlungMauch 4–14S HYB BEC

Der Flight Controller wird über zwei separate Stepdown-Wandler versorgt. Fällt einer davon aus, bleibt die Flugregelung trotzdem in Betrieb. Die beiden Pfade sind so ausgelegt, dass sie sich nicht gegenseitig beeinflussen.

05 · Avionik & Steuerung

Flugregelung und Rechenleistung getrennt

Die Aufgaben sind bewusst auf zwei Systeme verteilt. So bleibt die sicherheitskritische Flugregelung unabhängig von rechenintensiven Zusatzfunktionen.

Cube Orange+ mit ArduPilot

Der Flight Controller aus dem CubePilot-Ökosystem übernimmt die primäre Flugregelung, die Navigation und alle sicherheitsrelevanten Flugfunktionen.

NVIDIA Jetson Nano

Der Companion Computer verarbeitet Kamera- und Sensordaten, übernimmt die Missionslogik und ist die Basis für spätere autonome Funktionen, etwa beim Erkennen eines geeigneten Landebereichs.

Sensorik und Kommunikation

  • GPS, Kamera, ToF-/Abstandssensorik und weitere Sensoren für Navigation und Sicherheit
  • Fernsteuerung, Telemetrie, Missions- sowie Status- und Fehlerdaten zwischen Bodenstation und Drohne
  • Definierte Fail-Safe-Verfahren bei Verbindungsverlust

Stand: Die ArduPilot-Konfiguration, also Parameter, Flugmodi, Missionsabläufe und Fail-Safes, ist noch nicht umgesetzt. Sie folgt nach der Hardware-Integration. Ziel ist ein möglichst hoher Automatisierungsgrad bei Start, Anflug und Landung. Der erste Nachweis ist ein sicherer, kontrollierbarer Flug.

06 · Nutzlast

Verriegeln ist der sichere Zustand

Die Drohne bekommt eine standardisierte mechanische Schnittstelle. Unterschiedliche Module werden darüber aufgenommen, während des Fluges über Servos und mechanische Arretierungen sicher verriegelt und am Zielort kontrolliert freigegeben.

  • Kein Abwurf: Die Nutzlast wird erst nach der Landung bzw. Bereitstellung kontrolliert von der Drohne getrennt.
  • Fail-Safe: Strom- oder Signalverlust führt nicht zur Freigabe. Entriegeln ist immer ein bewusst ausgelöster Vorgang.
  • Überwacht: Der Zustand der Verriegelung wird erfasst. Freigegeben wird nur unter definierten Bedingungen.
  • Modular: Die Schnittstelle funktioniert unabhängig vom konkreten Einsatzmodul.

Welche Nutzlast?

Die erste Nutzlast ist ein medizinisches Notfallsystem, das von einer separaten Projektgruppe entwickelt wird. Details dazu folgen hier, sobald sie feststehen.

07 · Sicherheit

Jeder Fehlerfall wird durchdacht

Bei einer Drohne mit 20 bis 25 kg hat Sicherheit oberste Priorität. Diese Fehlerfälle betrachten wir systematisch:

MotorausfallESC-AusfallPropellerschadenAkku-/StrangausfallUnterspannungÜberstromBEC-/Stepdown-AusfallFlight-Controller-AusfallGPS-AusfallSensorfehlerKommunikationsverlustFehler NutzlastverriegelungServo-Fehlfunktion

Redundanz

  • X8-Anordnung mit acht Motoren und acht einzelnen ESCs
  • Zwei getrennte Versorgungspfade für den Cube Orange+
  • Getrennte Überwachung und Absicherung der Energiepfade

Die Redundanz ist eine Sicherheitsreserve, ersetzt aber keine vollständige Risikoanalyse.

Fallschirm-Rettungssystem

Als letzte Sicherheitsstufe bekommt FrankenResQ einen Fallschirm. Vor echten Flügen legen wir fest und testen, wann er auslöst, wie die Motoren dabei gestoppt werden, wie die Propeller den Schirm nicht beschädigen und wie die Auslösung in ArduPilot umgesetzt wird.

08 · Entwicklungsphasen

Erst fliegen, dann erweitern

PhaseInhaltStatus
1 · FlugplattformCAD-Modell, Montage, E-Plan, Energieversorgung, Integration von Flight Controller, ESCs, Motoren, Kommunikation, SensorikIn Arbeit
2 · BodentestsElektrik, BEC-Redundanz, Kommunikation, Sensorik, Motor-/ESC-Funktion, Fail-Safes, Fallschirm, mechanische BelastungGeplant
3 · FlugtestsErstflug ohne Nutzlast, schrittweise Laststeigerung, Dummy-Nutzlast, Flug mit realistischem GewichtGeplant
4 · NutzlastStandardisierte Module, Servo-Verriegelung, kontrollierte Freigabe, SchwerpunktlagenGeplant
5 · DockingstationCage, Landepositionierung, Andocken, automatisiertes Laden, NutzlastmagazinNach Flugnachweis
09 · Rechtlicher Rahmen

Genehmigungsfähigkeit von Anfang an

FrankenResQ richtet sich nach dem Rechts- und Betriebsrahmen der EU und Deutschlands. Als Pilotgebiet ist Leutershausen mit seinem Umfeld vorgesehen.

Vor einem regulären Betrieb prüfen wir unter anderem Geozonen, Luftraum, Schutzbereiche, Betriebskategorie, Anforderungen an Betreiber und Piloten, Risikoanalyse sowie Notfallverfahren. Ein wichtiger Meilenstein ist die frühe Abstimmung mit den zuständigen Stellen, damit die Genehmigungsfähigkeit nicht erst am Ende der Entwicklung bewertet wird.